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Baumschule Engelhardt: Sanfter Übergang zu einem jungen Team

Heuchelheim | "2009 war zunächst ein hartes Jahr", reflektieren Christine Schwarzer und Heiko Schneider von der Baumschule Engelhardt in Gießen das Jubiläumsjahr ihres Betriebes. 100-jähriges Bestehen feierte der Betrieb 2009, im Jahr der großen Finanzkrise. Durch die kalte Witterung startete das Gartenjahr spät - und auch im Betrieb Engelhardt hatte man mit zahlreichen Ausfällen durch Frostschäden zu kämpfen. "Den Umsatz, den wir sonst in drei Monaten machen, mussten wir in eineinhalb Monaten machen", erklärt Schneider. Acht Wochen lang hieß es deswegen rackern und kämpfen, viele Messen standen an. "Wir konnten die Verluste wieder auffangen, aber wir haben auch viel dafür getan". Seit 2005 führen Christine Schwarzer und ihr Lebensgefährte Heiko Schneider die Baumschule Engelhardt. Schwarzer hatte den Betrieb zum 1. Juli übernommen. 1993 war sie mit Beginn der Ausbildung dort eingetreten.
Im Jubiläumsjahr wurde aber auch noch ordentlich gefeiert: Bei einem großen Sommerfest mit Livemusik kamen die Stammkunden zusammen, um den runden Geburtstag des Betriebes zu feiern. Am zweiten Tag feierte das Engelhardt-Team gemeinsam mit Fachkollegen.

Rund 3800 Stammkunden verzeichnete der Betrieb damals, heute sind es rund 6500 regelmäßige Kunden, die auf Karteikarten gelistet sind. "Wir wollten einen leichten Übergang und nicht auf einen Schlag soviel ändern". Ja, das Team aus 25 Mitarbeitern sei jünger und dynamischer geworden, aber: "wirklich krasse Veränderungen nehmen wir selbst gar nicht wahr". Obwohl die meisten Kunden positiv anmerkten, dass sich viel verändert habe. Das liege aber auch sicher daran, dass man anders einkaufe und den eigenen Geschmack mit einbringe. Das Sortiment werde regelmäßig an aktuelle Trends angepasst oder bei Pflanzen gebe es neue Sorten, die besser seien als die alten. "Dann schmeißen wir auch mal was raus". Die Kunden schätzten die Bandbreite des Angebots bei Engelhardt, dennoch: alles könne man nicht anbieten. In der Nachfrage spiegele sich aber deutlich wieder, dass sich die Zeiten geändert hätten. Während früher Obstgehölze sehr beliebt gewesen seien, sei die Nachfrage in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. "In vielen Familien sind beide berufstätig, und Obstgehölze sind pflegeintensiv", erklärt Christine Schwarzer. Auch würden die Grundstücke immer kleiner - während früher 600 bis 800 Quadratmeter Garten keine Seltenheit waren, komme dies heute kaum noch vor und so gehe der Trend zu Kleinziergehölzen.

Auch dass das Geld nicht mehr so locker sitzt, spüre man in vielen Dingen. "Die Leute handeln mehr". Um den Wünschen der Kunden gerecht zu werden, haben Schneider und Schwarzer eine Kundenkarte eingeführt, die fünf Prozent Rabatt gewährt. "So bekommen alle den gleichen Rabatt und ich kann alle Kunden gleich behandeln".

Auch 2010 könnten durch den harten Winter Ausfälle bevorstehen. Der Schnee jedoch schützt die Pflanzen vor allzu großen Schäden. "Was wirklich kaputt ist, zeigt sich dann in April und Mai". Derzeit steht für Heiko Schneider und Christine Schwarzer ohnehin ein anderes Thema im Fokus: Sie sind Prinzenpaar der aktuellen Kampagne der Gießener Fassenachtsvereinigung (GFV). "Eine schöne, aber stressige Zeit", resümieren die beiden, die derzeit ohne zweiten Terminkalender gar nicht auskommen. Die Termine macht aber glücklicherweise der Generalfeldmarschall, und der sorgt auch dafür, dass die beiden vormittags in der Firma sein können. Über 100 Termine haben die beiden schon absolviert - teils bis zu sieben oder acht am Tag. "Wenn wir es nicht gemacht hätten, hätten wir uns geärgert", sagt Schneider, "es ist eine Ehre, wenn man gefragt wird". Und da die diesjährige Kampagne auch so früh liegt, war das kein Problem. "Nächstes Jahr geht die Kampagne bis in den März hinein, da wäre das der Firma wegen nicht gegangen".

Die Baumschule Engelhardt wurde 1909 von August Engelhardt (1884 - 1970) am Standort im Plattweg Heuchelheim gegründet. Der Start erfolgte mit kleiner Landwirtschaft, Obstgehölzen und Beerenobst. 1948 übernahm Willi Engelhardt den Betrieb, der das Sortiment um Zier- und Nadelgehölze erweiterte. 1950 folgte die Anlage von Obst- und Himbeerplantagen, die Erträge wurden auf dem Wochenmarkt verkauft. 1967 zog die Baumschule an den heutigen Standort an der Heuchelheimer Straße in Gießen-West um, 1969 wurden Lothar und Ursula Engelhardt Betriebsinhaber. In den Jahren 1993 bis 1995 entstand die Blumenhalle. Bis heute sind die Anzuchtflächen auf rund 90.000 Quadratmeter angewachsen. Die klassischen Baumschulstrukturen wurden stark erweitert, Fachveranstaltungen wie Schnittkurse oder ein jährlicher Adventsmarkt erweitern das Angebot. Infos unter www.baumschule-engelhardt.de.

 

Quelle: Gießener Zeitung vom 15.02.2010

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